20. Oktober 2025

Spezialmusen sind meist aus privaten Sammlungen hervorgegangen, weil die einschlägigen Industrien eine themenübergreifende Darstellung ihres Sachgebietes nicht gemeinsam auf die Beine stellen konnten. Ein Museum kostet in der Regel mehr, als es erwirtschaften kann und vor den laufenden Kosten schrecken kommunale Verwaltungen im Allgemeinen zurück. Manchmal gelingt es, eine solche Einrichtung zu einem besonderen Anziehungspunkt für ein Gemeinwesen zu machen und einen Mehrwert für die Attraktivität des ländlichen Raums zu generieren.

Ganz sicher ist das in Deidesheim an der Weinstraße mit dem Film, Foto und Fernseh-Museum gelungen.

Hier einige Highlights aus der Sammlung:

Studiokameras

Fernsehstudiokameras Bosch-Fernseh KCU 40 und RCA TK 47. Die KCU 40 war die gebräuchliche Studiokamera bei Einführung des Farbfernsehens in Deutschland. Bei der Olympiade 1972 in München waren 120 Stück im Einsatz. Das ZDF entschied sich um 1980 mit der US-amerikanischen RCA TK47 für eine computergesteuerte Studiofarbkamera der zweiten Generation, der von Mitbewerbern veraltete Technik nachgesagt wurde.

Kinamo 35mm

Die Kinamo wurde ab 1921 von der ICA in Dresden als kleine kompakte 35mm Filmkamera für den ernst zu nehmenden Amateur produziert. Die innenliegende Kassette fasst 25 Meter Normalfilm für 83 Sekunden Laufzeit bei 16 Bildern/s oder 55 Sekunden bei 24 Bildern/s. Letztere gibt es nur in einer Sonderausführung. Die Kamera hat ein fest angebautes 40mm Objektiv mit maximaler Öffnung von F2.7. Der Antrieb erfolgte entweder mit einer Handkurbel oder mit einem Federwerkmotor, der in einem dickeren Seitendeckel links in Blickrichtung angesetzt wurde. Dieser konnte 6 Meter Film am Stück durch die Kamera transportieren. Mit Abmessungen von 150 x 130 x 60 mm bzw. 20 x 14,5 x 10,5 mm war die Kamera äußerst kompakt. Das Gewicht lag je nach Ausführung bei 1,7 bis 2,4 kg. Die kleine Kamera wurde auch von Berufsfilmern eingesetzt, so zum Beispiel für Aufnahmen von Walter Ruttmann‘s Film „Symphonie der Großstadt“.

Cinema Products CP16

Die selbstgeblimpten 16mm Kameras CP16 und CP16R wurden Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre in den USA von der Firma Cinema Products für die Nachrichtensender gebaut und waren für synchrone Tonfilmaufnahmen auf Magnetrandspur vorbereitet. Der Tonverstärker war in die Kamera integrierbar und es reichte ein Mikrofon, um synchrone Filmaufnahmen machen zu können. Das Konzept eines einfachen Filmtransport basierte auf den Laufwerken der Auricon Kameras. Cinema Products hat ungefähr 3000 dieser relativ preiswerten Kameras in unterschiedlichen Ausführungen verkauft. (Mit dieser in Deidesheim ausgestellten Kamera habe ich einige Dokumentarfilme gedreht.)

Sonys Porta Pak AV 3420/3450

1970 war Sonys Porta Pak für schwarz/weiß Videoaufzeichnung auf open Reel ½“-Bänder die erste Kamera-Rekorder-Generation die eine alternative Medienszene unter den Dokumentarfilmern entstehen ließ und zu einer Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Fernsehanstalten führte. Beispieleproduktionen mit dem ½“ Videoformat können sie unter diesem Link auf Youtube sehen.

Debrie Parvo und Askania Z

Debrie aus Paris dominierte den europäischen Kameramarkt für den Berufsfilmer von den 20er bis in die 60er Jahre, bevor die schweren von den selbstgeblimten Arriflex Kameras verdrängt wurden. Die Parvo war Vorbild für diverse Nachbauten.

Die Askania Z war im Prinzip eine deutsche Kopie der Debrie Parvo L.

Arriflex Kameras

1937 brachte die Münchner Firma Arnold&Richter mit der Arriflex 35 die erste Spiegelreflex-Filmkamera auf den Markt und konnte sich bis zum Jahr 2006 als erfolgreichster Hersteller von analogen Berufsfilmkameras etablieren. Zu sehen sind die Arriflex 35, 16ST, 16M, 16SR, 16SRIII, 416, 535 und die Digitalkameras D21 und Alexa.