Sony F55 – Ein gelungenes Konzept

01. März 2013

Nachtdreh mit der Sony F55 und Zeiss HS Objektiv auf interene SxS Karte

Im Kamerabau ist Sony unumstritten die Nummer eins. Kein anderer Hersteller bietet eine so umfangreiche Kamerapalette an und dennoch hatte die Firma im Highend-Markt der Single Chip Kameras bisher keine glückliche Hand. Die F23 Kamera war kurz nach dem Start schon überholt durch die nachfolgende F35. Mit dem 8K Sensor der dann folgenden F65 setzte sich Sony vor RED an die erste Stelle der Pixelriesen zerstörte aber mit dem neuen Kameramodell die Investitionen der F35 Kunden, denen gar nicht die Zeit blieb, ihr Geld am Markt zu verdienen. Der HDCAM-SR Camcorder SRW 9000, ergänzt durch die nachgeschobene Single Chip Version mit PL Mount und Upgrade-barem TB-Festkarten Rekorder hielt man gerade mal drei Jahre am Markt. Kameras sind keine Backwaren für den schnellen Konsum.

Linke Kameraseite F55

Reche Kameraseite mit Toneingangsmodul und allen Signalverbindungen

Mit der F55/F5 hat Sony jetzt ein System am Start, das in diesem Bereich endlich Sinn macht und das auf den ersten Blick eines verspricht: Langlebigkeit. Das hat Arri vielleicht aus der Tradition des Kamerabaus schon länger begriffen. Die Kunden brauchen gute Bilder und eine Produktstabilität, auch im wirtschaftlichen Sinn. Alexa Kunden bleiben beim zwangsläufigen technischen Fortschritt nicht im Regen stehen. Nachrüsten für alle Modelle ist ein überzeugendes Konzept.

Sensor, Empfindlichkeit und Aufzeichnung
Die Sony F55 ist ein Single Chip S35 CMOS Camcorder mit interner Aufzeichnung auf SxS Karten. Der Sensor im Super35 Format mit Abmessungen von 24 x 12.7 mm und hat 4,096 x 2,160 Pixel und den gleichen Farbmosaikfilter wie die F65 Kamera. Von den 11,6 Megapixeln sind 8,9 Megapixel aktiv. Der Sensor ist mit einem global Shutter ausgestattet und so werden unangenehme Artefakte des Rolling Shutters wie kippende Vertikale, partielle Blizbelichtung und Wobbel bzw. Jelloeffekte ausgeschlossen. Die F5 hat diesen Shutter nicht, ist dafür aber etwas lichtempfindlicher.  Die Empfindlichkeit der F55 für 2000lx bei 89,9 % Reflexionsfaktor  und Kunstlicht liegt bei Blende 14 für 24p. Beim S-Log2 Gamma entspricht  das ungefähr 1250 ISO (die F5 liegt da bei 2000 ISO).
Die Kamera kann in den bekannten Formaten XDCAM HD 422 und HDCAM SR 444 aufzeichnen. Im neuen Sony XAVC Format (MPEG4, ähnlich AVC Intra von Panasonic) kann HD, 2K und 4 K mit 422 aufgezeichnet werden mit 10 bit Farbtiefe und unterschiedlichen Bildraten bis maximal 180 B/s (2K). Der optional anflanschbare AXS-R5 Recorder erlaubt zusätzlich die Aufzeichnung von RAW Daten in 2K bis 240B/s und in 4K bis 60B/s. Die Highspeed Aufnahmen erfolgen mit der gesamten Sensorfläche und der Bildwinkel bleibt bei allen Geschwindigkeiten voll erhalten.

Bedienfeld auf der linken Kameraseite

Bedienung und Menü
Gegenüber den XDCAM Camcordern ist die Bedienung der F55 etwas gewöhnungsbedürftig passt sich jedoch in die Reihe F23, F35, F65 ein. Ein Farbdisplay mit sechs Drucktastern und einem Dial-Jog Rad zur Auswahl erlaubt den Zugriff auf wichtige Bedienparameter. Vier Assign-Taster können mit bevorzugten Funktionen für den Direktzugriff belegt werden. Es gibt noch den Recordschalter, einen Umschalter für den Wiedergabe Display und das Filterrad mit zwei ND Filtern und Clear. Alle anderen Einstellungen erfolgen über das Menü, welches mit dem Dial-Jograd bedient wird. Wählt man sich durch das Menü, dann muß man mit dem Dial-Jograd etwas geduldig umgehen, weil es eine kleine Verzögerung gibt und wer zu schnell wählt und drückt, der landet in anderen Menüpunkten. Angenehm ist, daß man auch auf der zweiten Menüebene über die Liste der Unterpunkte hinaus durch alle anderen Unterpunkte scrollen kann. Man muss also nicht immer wieder zurück auf die höhere Ebene, um dann wieder in andere Unterpunkte zu kommen.
Das Menü ist übersichtlich mit Ikons in Kategorien und Ebenen unterteilt. Auswahlpunkte mit der Möglichkeit Werte einzustellen sind grafisch dargestellt und zeigen durch einen Punkt über der Verstellskala den Normalwert an.

OLED Okularsucher DVF-EL100 hier ohne die Augenmuschel

7" LCD Monitor mit Haltearm und Anschusskabel

Sucher
Zur F55/F5 werden verschiedene Sucher angeboten. Neu auch in seiner Technologie ist ein OLED Okularfarbsucher (DVF-EL100) mit 1280x720 Pixeln auf 0.7 Inch Diagonale, der wesentlich kompakter ausfällt auch die bisherigen Farbokularsucher und trotzdem auch dem Kameramann mit Brille einen genügend großen Einblick auf das gesamte Sucherbild gewährt. Die Dioptrienverstellung ist mit einem großen griffigen Drehring ausgestattet, besser als bisher aber auch mit einem Nachteil. Der Ring verstellt sich zu schnell auch schon bei Berührung und immer wieder muss man nach korrigieren. Da Hilft ein Überzug aus Okularleder. Mit einem Druckknopf kann man in einen vergrößerten Bildausschnitt hineinspringen um besser scharf stellen zu können. Ein Peaking mit Falschfarben hilft in kritischen Situationen und muss im Menü oder über eine Assigntaste zugeschaltet werden.
Der Sucher ist im Sony typischen Aufsteckschuh befestigt und kann seitlich sowie Vor-rückwärts verstellt werden. Mit einem drehbaren Ausleger ist er auch in der Höhe verstellbar und dabei auch drehbar gelagert. Angeschlossen wird der Sucher über ein Flachbandkabel (3M) mit gleichen Mehrpolflachbandsteckern inclusiver Verriegelungstaste an beiden Enden. Um Fummeln vorzubeugen, sollte man sich eine Seite der Stecker farbig markieren, damit wann weiß, welche Seite nach Außen zeigen soll.
Mit dem gleichen Kabel lässt sich auch ein 7“ LCD Monitor (DVF-L700) mit 1920x1080 Pixeln anschließen, der dann auch mit Strom und allen Sucheranzeigen versorgt wird und ein Record-Tally hat. Will man den LCD zusätzlich zum Okularsucher anschließen, muß man es mit einem 4-Pol Hirose Kabel für die Stromversorgung machen und ein kurzes SDI Kabel verwenden. HDMI, das kann die Kamera auch für HD, 2K und 4K ausgeben, kann der Monitor nicht. Um ihn an der Kamera zu befestigen gibt es einen Noga-ähnlichen Arm mit einer griffigen Feststellschraube. Die Befestigungen für Kamerahandgriff und Monitor sind verdrehsicher. Der Arm  ist gut durchdacht und  klemmt besser als vieles andere, was für Monitore angeboten wird.

V-Mount Akku BP-FL75 mit Eisenoxid Kathode

Stromversorgung
Zur F55/F5 gibt es neue V-Mountakkus (BP-FL75), die in der Höhe exakt auf den Kamerabody abgestimmt sind und olivines Lithium-Ferrophosphat für die Kathoden verwenden, wodurch sehr hohe Lade- und Entladeströme möglich.  Diese Akkus sind praktisch nicht entzündbar und für den Transport im Flugzeug zugelassen.
Die Akkuadapterplatte ist auf der Kamerarückseite angeflanscht und kann mit einem Kipphebel vom Kameragehäuse getrennt werden. Dazwischen passt der optionale AXS-R5 Recorder zur Aufzeichnung der RAW Daten auf die neuen AXSM Karten. Maximal werden Datenströme bis 600 Mbit/s erreicht, das 12fache von XDCAM  422.

Kamera, Akkuadapterplatte und Akku

PL-Mount Adapter mit Innenkontakten für Coke i und Arri LDS

Sony FZ-Mount mit Kontakten

Objektive
Die F55 ist mit einem FZ-Mount ausgestattet, wie er erstmals von Sony bei der F3 verwendet wurde. Dieser Mount hat ein Auflagemaß von nur 19mm. Mitgeliefert wird ein Adapter auf PL-Fassung mit innenliegenden Kontakten für Cooke i und Arri LDS Anschluß um Objektivdaten lesen zu können. Für den FZ-Mount gibt es bereits eine Reihe von Adaptern auf E-Mount, Canon FD, Canon EF, Nikon, Leica M und R, PL und auch B4 2/3“ Objektive. Dieses Potential sichert der Kamera vielfältige Möglichkeiten und legt den Kunden nicht auf ganz spezielle Objektivfassungen fest, was heute eine der wichtigsten Entscheidungen beim Kamerakauf ist.

Dreh in der U-Bahn, kleine Kamera und doch 4K 422 Aufzeichnung auf SxS Karte

Hell wie der lichte Tag,  1250 ISO auf dem LCD Suchermonitor

Handhabung
Ich habe leider nur mit einer Kamera und dem marginalen Zubehör arbeiten können, ohne Schulterstütze, Handgriff etc. Trotzdem ist die Kamera besonders wegen ihrer kompakten Ausmaße – sie ist nicht soviel grösser als eine PMW 100 – gut zu halten und letztlich recht unauffällig. Die hohe Empfindlichkeit macht in der Großstadt die Nacht zum Tage und bei szenischen Drehs muß man nicht mehr hell machen, sondern mehr die vorhandenen Niveaus angleichen. Selbst mit 4000 ISO bekommt man akzeptable Bilder, die nicht extrem rauschen.
Wie die Kamera im Vergleich zu anderen Modellen abschneidet, was wird man demnächst bei diversen Vergleichen im Internet begutachten können.

PMW-100 und F55 im Vergleich

Kompakt, ein Gerät , dass man eigentlich nicht mehr hergebenmöchte....                                         alle Fotos  © HA Lusznat

Das Konzept der F55/F5 überzeugt auf den ersten Blick und  verspricht eine gewissen Langlebigkeit, zu der die Firma das ihre beitragen muss. Immerhin lässt die modulare F55 die C500 Kamera (Nur eine Objektivfassung) alt aussehen und lehrt RED das Fürchten, wie ein aktuell entfachter Patentstreit vermuten lässt.
Mehr und detailliertere Informationen finden Sie demnächst von Gerd Voigt-Müller und Christine Gebhard auf Film TV Video.