Wolfgang Ettlich bekommt den Ernst Hoferichterpreis 2021

27. November 2020

Dreharbeiten zum Film "Biss oder die Angst vorm Fliegen" 2017

Neben der Comic-Künstlerin Barbara Yelin und dem Poeten Jaromir Konecny bekommt der Filmemacher Wolfgang Ettlich den Ernst Hoferichterpreis 2021. Warum, das hat die Jury wie folgt begründet:

 

1968 haben wir Münchner im allgemeinen und wir Schwabinger im besonderen viel kommen sehen (was dann nicht kam, wie die Revolution zum Beispiel), aber nicht einmal geahnt, dass einer aus Neukölln in der eingemauerten Stadt Berlin kommen würde, um uns Aufbruchsstimmung und Lebensart, ja sogar avantgardistische Wirtshauskultur und Kleinkunstförderung zu lehren und zu zeigen, was hier um die Ecke, in der Hohenzollernstraße, in der deutsch-deutschen Provinz und draußen in der Welt alles wert ist, liebevoll, präzise und geduldig filmisch festgehalten zu werden.

 

Bei Dreharbeiten am Elisabeth Markt vor dem Abriss 2020

Wolfgang Ettlich hat das alles geschafft und ist damit schon in jungen Jahren eine Schwabinger Institution geworden, ein dokumentarischer Erzähler der deutschen Einigung mit all ihren Missverständnissen und Schmerzen, aber auch ihren Fortschritten und Hoffnungen,  und schließlich ein Liebhaber von Schwabing und dem Rest der Welt, ein bekennender Liebhaber, obwohl es dem Zeitgeist mehr entsprechen würde, giftig herum zu nörgeln. Der „Wolle“ hat zwar weder die Kommune noch den Jennerwein oder das KEKK erfunden, aber er hat all dies zu neuem Leben erweckt und überaus sympathisch repräsentiert. Gemeinsam mit Henny Heppel und vielen Neuköllner Flohmarktrequisiten hat er in der Kaiserstraße ausgerechnet mit Berliner Flair eine der beliebtesten Adressen für die junge aufmüpfige Szene geschaffen, die später ihre Kinder ins Kinderkino schickte, die dann noch später am Tresen die Stammplätze ihrer Eltern einnahmen.

 

Beim Sortieren des Filmbüchsenlagers 2016

Seine Kleinkunstbühne war buchstäblich für zahllose Kabarettisten, Autoren, Comedians und Ensembles eine unverzichtbare Startrampe, seine ebenso zahllosen Dokumentarfilme – gemeinsam mit seinem Kameramann Hans-Albrecht Lusnat – haben gerade in den letzten Wochen bei den Hofer Filmtagen wieder einmal ihre respektvolle Würdigung erfahren. Heiterkeit hat er immer ausgestrahlt – und von Weltoffenheit, wie sie der Hoferichter-Preis auch noch verlangt, zeugen viele Filmtitel: „Die Engel von Manhattan“, „Es muss gelebt werden – Drei Frauen in Rumänien“, „New Orleans – City of Jazz“, „Venedig – Der andere Blick“, „Hauptsache Amerika – Von Fichtelberg nach Florida“. Aber seine ganz große Leidenschaft beschreibt der Film: „Schwabing – Meine nie verblasste Liebe“. Ernst Hoferichter hätte ihn ins Herz geschlossen! (die Jury)