Gerhard Fromm zum 90sten Geburtstag

8. März 2022

Gerhard Fromm zeigt eine Kamera aus seiner Sammlung am Filmtechniker-Stammtisch 2018 im Truderinger Wirtshaus

Kameramann Gerhard Fromm feiert am 8. März seinen 90sten Geburtstag und blickt auf eine lange Filmkarriere zurück. Nach einer kaufmännischen Ausbildung im Berliner Geschäft seines Vaters kam er über den Fotohandel ins Kopierwerk der DEFA und siedelte dann mit den neusten Kenntnissen in der Farbfilmverarbeitung nach München über ins Kopierwerk von Arnold&Richter. Als Farbfilmberater und Kameraassistent hat er erste Spielfilme begleitet und 1960 als Schwenker für Kameramann Heinz Hölscher an einem der wenigen deutschen 65mm Filme „Onkel Toms Hütte“ mitgewirkt. In den 60er und 70er Jahren hat Gerhard Fromm an den unterschiedlichsten Filmprojekten mitgearbeitet, von der amerikanischen Großproduktion bis zu Werbespots und Episoden der Kindersendung „Feuerrotes“ Spielmobil. Als das interessanteste Filmprojekt hat er die dreieinhalb Monate dauernden Dreharbeiten zu Leni Riefenstahls „Nuba“ Film empfunden. Es war eine Reise in eine unbekannte Kultur und Welt, die es schon bald danach nicht mehr gab. Leider ist das damals neue hochempfindliche Kodak Material im Kopierwerk falsch behandelt worden und hatte einen irreparablen Farbstich, so dass das Projekt ein Totalschaden war. Gerhard Fromm hat später dann, als die Technik weit fortgeschritten war, doch viele seiner Aufnahmen in anderen Dokumentationen wiedergefunden.

 

Gerhard Fromm mit der MCS-70 Kamera bei den Dreharbeiten zu „Onkel Toms Hütte“ 1960 (Foto: Gerhard Fromm)

Die Action 35 LP Kassette (Foto: Fromm Filmtechnik)

Bei einer Fahraufnahme aus einem Porsche sollte die Straße im Bild sein und weil das mit der aufgesetzten Kassette auf einer Arriflex 35 nicht möglich war, hat sich Gerhard Fromm für diese Aufnahme aus Materialresten und Sperrholz eine Kassette gebaut, mit der er die Aufgabe bewältigen konnte. Weil August Arnold keinen Markt für die Kassette sah, gründete Gerhard Fromm eine Firma und stellte nach vielen Versuchen und Experimenten schließlich die „Action 35 LP“ Kassette mit seiner Fromm Filmtechnik her und verkaufte sie in die ganze Welt. Andere Produkte folgten, eine 16mm Action Kassette und ein Regenabweiser mit einer vor der Optik rotierenden Scheibe, der lange in Serie gebaut wurde. Aber auch Einzelstücke hat er angefertigt, wie eine 65mm Kamera nach einer Konstruktion von Jan Jacobsen.

Zwei Fromm Unterwassergehäuse bei Dreharbeiten mit dem Modell U-Boot  (Foto: Gerhard Fromm)

 

Beim Bayerischen Rundfunk war Gerhard Fromm als der Mann für die besonderen Aufnahmen bekannt und immer wenn es für festangestellte Kameraleute zu brenzlich wurde, kam er zum Zuge, im Helikopter oder unter Wasser. Als begeisterter Taucher waren Unterwasseraufnahmen für Gerhard Fromm eine willkommene Erweiterung des Arbeitsspektrums. In der Firma hat er sich für die Arri 35 mit der Action Kassette ein eigenes Unterwassergehäuse gebaut und am Roten Meer ausgiebig getestet. Als sich die Bavaria 1980 anschickte, das Boot zu verfilmen, hat er seinen Film vorgeführt. Aber gleich kamen die Ansprüche. Man brauche eine Kamera mit gutem Bildstand und Sperrgreifer,  eine Arri III und Kassetten mit langer Laufzeit für 300 Metern Film, die es für die Kamera gar nicht gab. Gerhard Fromm hat zwei Unterwassergehäuse gebaut und die Koaxialkassette der 35BL Kamera für die Arriflex III modifiziert und die Dreharbeiten mit seinen Geräten begleitet.

In so einer Firma sammeln sich im Laufe der Jahre viele Geräte an, sei es, dass sie ausgeschlachtet werden sollen oder als Beispiele für Lösungen dienen. Und wo etwas ist, kommt mehr hinzu und wächst eine Sammelleidenschaft. Weit über 300 Kameras hatte Gerhard Fromm in seiner Sammlung ausgestellt, darunter echte Exoten und Einzelexemplare, an denen er die verschiedenen technischen Lösungen demonstrieren konnte.

Gerhard Fromm 2007 in seiner Kamerasammlung  (Foto. HA Lusznat)

Gerhard Fromm war schon im BVK Vorgängerverband CDK Mitglied und ist im BVK seit langem außerordentliches Mitglied. Mit seinem fundierten Fachwissen in vielen Fragen der Filmtechnik war er immer Ansprechpartner für Kollegen und hat als Fachautor für den „Deutschen Kameramann“ (Film & TV Kamera) und andere Publikationen unzählige Artikel zu filmtechnischen Fragen geschrieben. Besonders bekannt und immer noch beliebt sind seine fünfundfünfzig technischen Sammelblätter zu analogen Filmkameras, die man im Internet finden kann. Generationen von Filmstudenten hat er an der Ludwigsburger Filmakademie und der Hochschule für Fernsehen und Film in München in die Grundkenntnisse analoger Filmtechnik eingeführt und ihnen erklärt, wie anfangs Filmtrickts direkt in der Kamera entstanden. Auch mit 90 Jahren ist Gerhard Fromm neugierig geblieben und interessiert sich für die Weiterentwicklung der Filmtechnik. In seiner kommunikativen Art organisiert er seit Jahren einen monatlichen Stammtisch der Filmtechniker in einem Truderinger Wirtshaus und viele hoffen, dass im Frühjahr die persönlichen Treffen wieder möglich sein werden. In einem Youtube Video erklärt Gerhard Fromm verschiedene Greiferwerke analoger Filmkameras.

Gerhard Fromm mit seinem Regenabweiser in LA.